Türkei News Juli 2020

Covid-19 Status

(Stand: 19. Juli 2020)

Business

Banque Syz eröffnet Büro in Türkei
Die Schweizer Bankengruppe Banque SYZ SA hat in Istanbul eine Vertretung eröffnet. Wie Nicolas Syz, der Leiter des Privatkundengeschäfts von SYZ, mitteilte, sehe man dies nicht nur als Chance, den Kunden in der Region näher zu sein, sondern wolle dadurch auch eine bessere Vorstellung von den Marktbedingungen und dem Investitionspotential in der Türkei gewinnen.
4. Juni 2020

Neue Anreize für Technologieinvestitionen in Freihandelszonen
Einer am 9. Juni erlassenen neuen Verordnung zufolge können für FuE-intensive und Hochtechnologieinvestitionen in den Freihandelszonen der Türkei verschiedene neue Fördermittel in Anspruch genommen werden. Ab sofort werden 50 % der Bruttolöhne von bis zu zehn Mitarbeitern (max. 15.000 US$ pro Mitarbeiter), 50 % der Pachtaufwendungen für Grundstücke und Gebäude (max. 75.000 US$ im Jahr) sowie 50 % der Zinsen und Spesen von Investitionskrediten bis zu 10 Mio. US$ vom Staat übernommen.
10. Juni 2020

Erster in Türkei hergestellter Motor für Mittelstreckenraketen getestet
Der erste aus heimischer Fertigung stammende Motor für Mittelstreckenflugkörper (TEI-TJ300) ist bei der TUSAŞ Engine Industries Inc. (TEI) – einem Gemeinschaftsunternehmen der Turkish Aircraft Industries Corporation (TAI), General Electric, der Stiftung für die türkischen Streitkräfte und dem türkischen Luftfahrtverband – getestet worden. Die 400 PS starken Motoren sind für den Einsatz in Seezielflugkörpern ausgelegt.
20. Juni 2020

Team.blue übernimmt Natro
Team.blue, ein Webhosting-Unternehmen mit Sitz in Belgien, das dem Kapitalbeteiligungsfonds Hg Capital gehört, hat die in Istanbul ansässige Webhosting-Firma Natro aufgekauft. Die 1999 gegründete Firma Natro hat über 120.000 aktive Kunden und mehr als 500.000 registrierte Domänennamen.
23. Juni 2020

Deutsche Unternehmen besorgt über nachlassende Binnennachfrage in Türkei
Einer im Juni unter den mehr als 900 Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer (AHK) durchgeführten Umfrage zufolge gaben 70 % der Befragten an, die wichtigste Auswirkung der Coronavirus-Pandemie auf die Geschäftswelt sei eine nachlassende Binnennachfrage gewesen. Die Reduzierung der für 2020 geplanten Investitionsbudgets (52 %) und eine geringere Nachfrage durch die EU-Länder (51 %) wurden als weitere Hauptfolgen genannt. 33 % der Befragten erwarten, dass sich ihre Geschäfte im letzten Quartal dieses Jahres wieder normalisieren werden, während 31 % damit erst im kommenden Jahr rechnen. 31 % gehen davon aus, dass ihr Umsatz 2020 um 10–25 % zurückgeht, 26 % sehen Umsatzeinbußen von 25–50 % entgegen.
26. Juni 2020

Neue Zölle auf mehrere Hundert Produktgruppen
Um die negativen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die türkische Wirtschaft zu mildern und die heimische Industrie angesichts des wachsenden Importdrucks zu schützen, wurde am 28. Juni ein neues Präsidialdekret erlassen. Demnach wurden 445 weitere Produktgruppen, darunter Zahnprothesen, Perlen, Klimaanlagen, Schweißmaschinen, Werkzeugmaschinen, Textilmaschinen und Klebstoffe, mit zusätzlichen Zollabgaben von bis zu 20 % belegt. Ab dem 30. September reduzieren sich die Zusatzzölle um 10 Prozentpunkte.
29. Juni 2020

Kurzarbeitergeld und Entlassungsverbot um weiteren Monat verlängert
Die Dauer der Verordnung, wonach Unternehmen, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie zur Einstellung ihres Betriebs gezwungen waren, Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiter in Anspruch nehmen können, ist um einen weiteren Monat verlängert worden. Parallel dazu wurde auch das Entlassungsverbot verlängert.
30. Juni 2020

Erster E-Zug aus heimischer Fertigung bald einsatzbereit
Beim türkischen Waggonhersteller TÜVASAŞ in Adapazarı (Provinz Sakarya) haben die Werkstests des ersten Elektrozug aus heimischer Fertigung begonnen. Nach Abschluss der Werkstests soll Ende August mit den Schienentests begonnen und die Züge baldmöglichst für den Personenverkehr in Dienst gestellt werden. Die Triebzugeinheiten erreichen eine Fahrgeschwindigkeit von 160 km/h.
30. Juni 2020

Neue Arbeits- und Gesundheitsschutzbestimmungen zurückgestellt
Zum 1. Juli sind Zusatzparagraphen zum Gesetz über den Arbeits- und Gesundheitsschutz in Kraft getreten. Demzufolge sind jetzt auch Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und als weniger gefährlich eingestufte Betriebe sowie staatliche Einrichtungen dazu verpflichtet, Arbeits- und Gesundheitsschutzleistungen anzubieten. Sie müssen entweder entsprechende geschulte Mitarbeiter vorweisen oder diese Dienstleistung bei einem professionellen Anbieter beziehen. Aufgrund einer vom Planungs- und Haushaltausschuss des Parlaments angenommenen Gesetzesvorlage wurden die Verpflichtungen jedoch nochmals bis 31. Dezember 2023 zurückgestellt.
1.–18. Juli 2020

VW nimmt Abstand von neuer Investition in Türkei
Der deutsche Automobilkonzern Volkswagen AG hat bekanntgegeben, dass es seinen Plan, in ein neues Werk in der Türkei zu investieren, aufgegeben hat, nachdem aufgrund der Coronavirus-Pandemie weltweit alle Investitionen in neue Werke ausgesetzt wurden und in nächsten Jahren keine zusätzlichen Produktionsstätten benötigt werden. Das geplante Werk mit einer Kapazität von 300.000 Einheiten pro Jahr hätte Pkw der Modelle VW Passat und Škoda Superb herstellen und exportieren sollen. Wegen des Militäreinsatzes der Türkei in Syrien im Oktober 2019 war die Investitionsentscheidung bereits aufgeschoben worden.
2. Juli 2020

Ermittlungen gegen deutsche Automobilhersteller eingeleitet
Die türkische Wettbewerbsbehörde hat Ermittlungen gegen die deutschen Automobilhersteller Audi, Porsche, Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW (den sogenannten „Fünferkreis“) eingeleitet. Von Seiten der Behörde hieß es: „Es liegen aussagekräftige und ausreichende Erkenntnisse für die folgenden Anschuldigungen vor: Im Rahmen der Sicherheitszusammenarbeit im Fünferkreis wurde erörtert, bis zu welcher Höchstgeschwindigkeit der Tempomat funktioniert und sich das Dach eines Cabrios öffnen und schließen lässt; im Rahmen der Umweltzusammenarbeit wurde die Verwendung eines Partikelfilters für Otto-Motoren verhindert und dessen Markteinführung hinausgezögert, wettbewerbssensible Informationen bezüglich der SCR-Technologie wurden ausgetauscht und die Größe des AdBlue-Tanks wurde festgelegt“.
2. Juli 2020

Politik

USA starten Untersuchung von Steuer auf digitale Dienste
Die Vereinigten Staaten betreiben eine Untersuchung gegen mehrere Länder einschließlich der Türkei, die eine Steuer auf die digitalen Dienstleistungen von US-Technologieriesen wie Facebook, Google und Netflix eingeführt haben. Die betroffenen Länder wurden dazu aufgefordert, bis zum 15. Juli eine schriftliche Stellungnahme gegenüber den US-Behörden abzugeben.
4. Juni 2020

Türkische Stahlindustrie reagiert auf protektionistische Maßnahmen der EU
Die EU-Kommission hat verschiedene Maßnahmen zum Schutz der europäischen Stahlindustrie eingeführt, die am 1. Juli in Kraft getreten sind. Unter Verweis darauf, dass das neue System die türkischen Stahlexporte um 58 % reduzieren werde, verlangt der Verband der türkischen Stahlproduzenten (TÇÜD) Gegenmaßnahmen. Das türkische Handelsministerium hat bereits am 25. Mai bei der Welthandelsorganisation die Einführung von zusätzlichen Zollabgaben von 9–17 % auf Stahlimporte aus den EU-Ländern angemeldet, falls die EU ihre Quoten nicht abändert. Des Weiteren wurde die Laufzeit der am 18. April eingeführten Zusatzzölle von 2–5 Prozentpunkten auf über 260 Stahlerzeugnisse vom 15. Juli bis zum 30. September verlängert.
7.–15. Juli 2020

Gesetz zur Neuordnung der Anwaltskammer verabschiedet
Die Mehrheit im türkischen Parlament hat einem Gesetzentwurf zugestimmt, der die Gründung mehrerer konkurrierender Anwaltskammern in den einzelnen Provinzen ermöglicht. Gegen diese Neuordnung gab es landesweit massive Proteste von Rechtsanwälten, die darin einen Versuch sehen, die Macht der bestehenden Anwaltskammern zu schwächen und die Unabhängigkeit der Justiz zu untergraben.
11. Juli 2020

Hagia Sophia in Moschee zurückverwandelt
Der türkische Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht des Landes, hat das 1934 vom Gründer der Republik, Mustafa Kemal Atatürk, unterzeichnete Dekret für ungültig erklärt, mit dem die Hagia Sophia säkularisiert und zu einem Museum umgewidmet worden war. Somit wird das fast 1500 Jahre alte, ursprünglich als größte Kathedrale der Christenheit erbaute und nach der Eroberung Istanbuls durch das Osmanische Reich 1453 zur Moschee umfunktionierte Bauwerk ab dem 24. Juli erneut als islamisches Gotteshaus dienen.
11. Juli 2020

Wirtschaft

Türkische Zentralbank hält Zinssatz stabil
Die Zentralbank der Republik Türkei hat ihren Leitzins (den einwöchigen Repo-Satz) von 8,25 % beibehalten. Nach Angaben der Bank habe im Mai infolge der auf eine schrittweise Normalisierung hin ergriffenen Maßnahmen eine Erholung der Wirtschaft eingesetzt. Auch wenn die Exporte und die Tourismuseinnahme infolge der Pandemie zurückgegangen sei, werde der Aufschwung bei den Warenausfuhren und niedrige Rohstoffpreise die Leistungsbilanz in nächster Zeit stärken. Der mit der Pandemie zusammenhängende Anstieg der Stückkosten habe zu einem gewissen Aufwärtstrend der wichtigsten Inflationsindikatoren geführt und die Nahrungsmittelinflation habe sich aufgrund saisonaler und pandemiebedingter Effekte erhöht. Die desinflationären Auswirkungen einer zunehmenden Nachfrage würden sich in der zweiten Jahreshälfte stärker bemerkbar machen.
25. Juni 2020

Exporte im Mai um 40,9 % zurückgegangen
Die Ausfuhrleistung der türkischen Volkswirtschaft ist im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 40,9 % auf 10,0 Mrd. US$ gesunken. Im gleichen Zeitraum verringerten sich die Einfuhren um 27,8 % auf 13,4 Mrd. US$. Aufgrund dessen stieg das Handelsdefizit um 102,7 % auf 3,4 Mrd. US$. Im Mai war Deutschland mit 919 Mio. US$ weiterhin der wichtigste Exportpartner der Türkei, vor den USA und dem Irak mit 882 Mio. bzw. 603 Mio. US$. Bei den Importen lag China mit 1,9 Mrd. US$ deutlich vor Deutschland und Russland mit jeweils ca. 1,2 Mrd. US$.
30. Juni 2020

Inflation beschleunigt sich
Im Juni 2020 haben sich die Verbraucherpreise in der Türkei im Vergleich zum Vormonat um 1,13 % erhöht. Der VPI stieg gegenüber demselben Monat des Vorjahres um 12,62 %. Dabei verbuchte der Verkehr mit 4,49 % die höchste monatliche Preissteigerung, vor Hotels, Cafés und Restaurants mit 2,83 %. Die einzige Ausgabengruppe, die einen Preisrückgang verzeichnete, waren Lebensmittel und nichtalkoholische Getränke (-1,60 %). Die mit Abstand größte Teuerung auf Jahresbasis gab es bei alkoholischen Getränken und Tabak (22,41 %). Der inländische Erzeugerpreisindex stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,69 %, in den letzten 12 Monaten betrug der Anstieg somit 6,17 %.
3. Juli 2020

Im April offiziell 12,8 % Arbeitslose
Im April 2020 waren in der Türkei rund 3.775.000 Menschen im Alter von 15 und darüber amtlich ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote war mit 12,8 % um 0,2 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr. Die Jugendarbeitslosigkeit in der Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren stieg hingegen auf 24,4 %. Die Erwerbsquote ging insgesamt auf 47,2 % zurück, bei der weiblichen Bevölkerung lag sie nur noch bei 29,2 %. Von den in diesem Zeitraum Erwerbstätigen waren 56,7 % in der Dienstleistungsbranche, 20,9 % in der Industrie, 17,5 % im Agrarsektor und 4,9 % im Baugewerbe beschäftigt.
10. Juli 2020

Weiter starke Auswirkungen des Coronavirus auf die Industrie im Mai
Auch wenn sich die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus im Vergleich zum April weniger heftig auf die Produktionszahlen auswirkten, sank der Index der Industrieproduktion der Türkei im Mai weiter und lag 19,9 % unter dem Wert des Vorjahresmonats. Die am härtesten getroffene Branche war die Produktion von „sonstigen Transportgeräten“ (-56,9 %), gefolgt von der Herstellung von Bekleidung (-46,2 %), Leder (-37,8 %) und Kraftfahrzeugen (-36,8 %). Alle Untersektoren schrumpften – mit Ausnahme des Abbaus von Metallerzen (+7,7 %), der Herstellung von Papier und Papiererzeugnissen (+3,6 %) sowie Computer, Elektronik und optische Produkte (+2,7 %).
13. Juli 2020

Monatsdaten im Überblick

Wirtschaftswachstum

Inflation