Heute leben in Deutschland rund 2,9 Millionen Menschen türkischer Herkunft. Damit ist die türkische Gemeinschaft die größte Gruppe mit Migrationshintergrund im Land und die größte türkische Diaspora in ganz Europa.
Doch diese Zahl allein gibt nur einen Teil des Bildes wieder. Von diesen 2,9 Millionen besitzen 1,52 Millionen noch immer einen türkischen Pass. Rund 1,6 Millionen haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Und über 52 % wurden gar nicht in der Türkei geboren. Sie sind hier in Deutschland zur Welt gekommen.
Dieser Beitrag gibt einen umfassenden Überblick: über das historische Wachstum, aktuelle Bevölkerungszahlen, die regionale Verteilung, Trends bei der Staatsangehörigkeit und darüber, wie sich die türkische Gemeinschaft in Deutschland im Vergleich zu anderen Diasporagruppen in Europa darstellt.
Autor
Mitautor
Heute leben in Deutschland rund 2,9 Millionen Menschen türkischer Herkunft. Damit ist die türkische Gemeinschaft die größte Gruppe mit Migrationshintergrund im Land und die größte türkische Diaspora in ganz Europa.
Doch diese Zahl allein gibt nur einen Teil des Bildes wieder. Von diesen 2,9 Millionen besitzen 1,52 Millionen noch immer einen türkischen Pass. Rund 1,6 Millionen haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Und über 52 % wurden gar nicht in der Türkei geboren. Sie sind hier in Deutschland zur Welt gekommen.
Dieser Beitrag gibt einen umfassenden Überblick: über das historische Wachstum, aktuelle Bevölkerungszahlen, die regionale Verteilung, Trends bei der Staatsangehörigkeit und darüber, wie sich die türkische Gemeinschaft in Deutschland im Vergleich zu anderen Diasporagruppen in Europa darstellt.
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Alp Atasoy
Berater für Vertrieb und Geschäftsentwicklung
Die türkische Gemeinschaft in Deutschland ist nicht über Nacht entstanden. Sie wuchs im Laufe von Jahrzehnten durch Arbeitsverträge, familiäre Bindungen und sich wandelnde Einwanderungspolitik. Hier erfahren Sie, wie sich das alles entwickelt hat.
Alles begann mit einem einzigen Abkommen. Im Jahr 1961 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland einPersonalsuche mit der Türkei. Dies ebnete den Weg für eine der größten organisierten Migrationswellen in der jüngeren europäischen Geschichte.
Zwischen 1961 und 1973 kamen rund 650.000 türkische Männer als Gastarbeiter nach Deutschland. Man bezeichnete sie als „Gastarbeiter“, und die Grundannahme war einfach: arbeiten, dann nach Hause gehen.
Die Ölkrise von 1973 machte diesen Plan zunichte. Deutschland stoppte die Vergabe neuer Verträge. Doch viele Arbeiter blieben vor Ort. Gesetze, die 1969 und 1974 verabschiedet wurden, erleichterten die Familienzusammenführung. Anstatt das Land zu verlassen, holten die Arbeiter daher ihre Familien nach.
In den 1980er Jahren verlor der Begriff „Gast“ im Zusammenhang mit Gastarbeitern rasch an Bedeutung. Türkische Familien ließen sich nieder, anstatt wieder ihre Koffer zu packen.
Die Einwanderung von Familienangehörigen und höhere Geburtenraten trieben das Wachstum der Gemeinschaft in dieser Zeit voran. Millionen von Verwandten schlossen sich den ursprünglichen Arbeitsmigranten an. Von 1983 bis 1984 gab es ein Programm zur freiwilligen Rückkehr, das jedoch keinen Erfolg hatte. Bis Anfang der 1990er Jahre waren nur etwa 50 % der türkischen Migranten in die Türkei zurückgekehrt.
Ende der 1990er Jahre waren Türken zur größten Einwanderergruppe in Deutschland geworden. Die Bevölkerungsschätzungen für dieses Jahrzehnt liegen je nach Quelle zwischen 1,8 und 3 Millionen.
In diesem Jahrzehnt gab es keinen großen Zustrom von Einwanderern. Das Wachstum kam aus den eigenen Reihen. Die großen Jahrgänge, die in den 1960er- und 1970er-Jahren geboren wurden, hatten nun selbst Kinder. Diese in Deutschland geborenen Kinder bildeten eine wachsende zweite Generation.
Die Schätzungen zur Gesamtbevölkerung türkischer Herkunft lagen Mitte der 2000er Jahre bei etwa 2 bis 2,5 Millionen. Diese Zahl umfasste sowohl türkische Staatsbürger als auch in Deutschland geborene Menschen türkischer Herkunft.
Eine bemerkenswerte Ausnahme bildete der Zustrom kurdischer Migranten aus dem Südosten der Türkei Ende der 1990er Jahre. Insgesamt war dies jedoch eher ein Jahrzehnt des natürlichen Bevölkerungswachstums als der Zuwanderung.
Das Wachstum verlangsamte sich in den 2010er Jahren, doch die Gemeinschaft schrumpfte nicht. Die Bevölkerung türkischer Herkunft in Deutschland belief sich 2019 auf etwa 2,9 Millionen. Die Mikrozählung des Bundes von 2023 bestätigte diese Zahl erneut. Die Türkei war das häufigste Herkunftsland von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland.
Die Nettozuwanderung aus der Türkei ging stark zurück. Sie sank von +88.000 im Jahr 2022 auf +24.000 im Jahr 2025. Die Zahl der Einbürgerungen stieg jedoch sprunghaft an. Allein im Jahr 2024 erhielten 22.525 Türken die deutsche Staatsbürgerschaft. Das war mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2023.
Das Staatsbürgerschaftsgesetz von 2024 spielte dabei eine große Rolle. Es lockerte die Anforderungen und ermöglichte erstmals die doppelte Staatsbürgerschaft. Viele Menschen, die schon lange in der Türkei lebten, entschieden sich schließlich dafür, diesen Schritt zu gehen.
Quellen: Yris, Swp-berlin, BAMF, Destatis, Hurriyetdailynews
Wenn über Türken in Deutschland gesprochen wird, fallen meist zwei Zahlen. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Aspekte, und beide sind von Bedeutung.
Ende 2025 besaßen 1,52 Millionen Menschen in Deutschland einen türkischen Pass. Diese Zahl umfasst lediglich im Ausland ansässige Personen und schließt Personen, die eingebürgert wurden oder hier geboren sind, nicht mit ein.
Die umfassendere Zahl der Menschen „türkischer Herkunft“ zeichnet ein anderes Bild. Sie umfasst auch eingebürgerte Bürger und in Deutschland geborene Nachkommen. Diese Zahl beläuft sich auf rund 2,9 Millionen.
Die Mikrozählung 2023 ergab, dass 24,9 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund haben. Das sind 29,7 % der Gesamtbevölkerung. Davon haben 2,9 Millionen Menschen türkischen Ursprung.
Die Definition ist hier entscheidend. Sie umfasst alle Personen, die in der Türkei geboren wurden, sowie alle Personen, bei denen mindestens ein Elternteil in der Türkei geboren wurde. Nach dieser Maßgabe wurden rund 52 % der Bevölkerung türkischer Herkunft tatsächlich in Deutschland geboren.
Die Gesamtbevölkerung Deutschlands beläuft sich auf rund 84 Millionen. Die 2,9 Millionen Einwohner türkischer Herkunft machen davon etwa 3 bis 3,5 % aus.
Betrachtet man nur die im Ausland lebenden Personen, ergibt sich ein anderes Bild. Von den insgesamt rund 13,4 Millionen Ausländern in Deutschland machen türkische Staatsbürger etwa 11 % dieser Gruppe aus.
Quellen: Destatis, SWP-Berlin, BAMF, BAMF, Destatis
Die türkische Gemeinschaft in Deutschland schrumpft nicht. Aber sie wächst auch nicht mehr so stark wie früher. Die eigentliche Frage ist nun, wie dieses Wachstum vonstattengeht und wer es vorantreibt.
Die Nettozuwanderung aus der Türkei ist stetig zurückgegangen. Nach einem sprunghaften Anstieg im Jahr 2022 sind die Zahlen seitdem jedes Jahr gesunken.
Jahr | Nettozuwanderung |
2022 | +88,000 |
2023 | +50,000 |
2024 | +41,000 |
2025 | +24,500 |
Trotz dieser Verlangsamung blieb die Gesamtgröße der Gemeinschaft in den 2010er und 2020er Jahren konstant bei etwa 2,9 Millionen. Die Geburten innerhalb der Gemeinschaft haben den Rückgang der Zuwanderungszahlen ausgeglichen.
Im Jahr 2024 kam es zu einer Wende. Im Juni jenes Jahres trat die Reform des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts in Kraft. Damit wurden die Aufenthaltsvoraussetzungen gelockert und die obligatorische Aufgabe der türkischen Staatsbürgerschaft abgeschafft. Dies veränderte die Lage für viele Langzeitaufenthalter.
Das Ergebnis: Im Jahr 2024 erhielten 22.525 Türken die deutsche Staatsbürgerschaft. Das waren mehr als doppelt so viele wie die rund 11.000, die sich im Jahr 2023 einbürgern ließen.
Bei den Gesamtzahlen der Einbürgerungen lagen die Türken an zweiter Stelle, direkt hinter den Syrern. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, werden immer mehr Einwohner türkischer Herkunft aus der Gruppe der Ausländer in die Kategorie der deutschen Staatsbürger übergehen.
Offizielle deutsche Daten zeigen, dass die Zuwanderung aus der Türkei die Abwanderung nach wie vor deutlich übersteigt. Im Jahr 2022 kamen rund 121.000 in der Türkei geborene Personen nach Deutschland, während nur 33.000 das Land verließen. Im Jahr 2023 waren es 76.000 Zuwanderer gegenüber 26.000 Abwanderern.
Die Nettozuwanderung bleibt positiv. Der Abstand hat sich jedoch verringert. Der Krieg in der Ukraine und sich wandelnde Mobilitätsmuster innerhalb der EU haben beide zu dieser Veränderung beigetragen.
Andererseits ist ein Teil der älteren Generation von Gastarbeitern im Laufe der Jahre in die Türkei oder in andere Länder zurückgekehrt. Im Rahmen freiwilliger Rückkehrprogramme wurden in den 1980er Jahren mehrere Tausend Personen in ihre Heimatländer zurückgeführt. Dieser Abfluss, verbunden mit einem Rückgang der Zuwanderung, erklärt, warum das Nettozuwachs im Jahr 2025 nur noch bei +24.600 lag.
Zuzügler sind nicht mehr der wichtigste Wachstumsmotor. Die Gemeinschaft wächst nun hauptsächlich aus eigener Kraft.
Über 52 % der Menschen mit türkischem Hintergrund sind in Deutschland geboren. Diese Zahl aus einer Studie der SWP aus dem Jahr 2019 spiegelt die große Zahl von Angehörigen der zweiten und dritten Generation wider, die nie eine türkische Adresse hatten. Fast die Hälfte dieser Bevölkerungsgruppe ist zwischen 20 und 40 Jahre alt.
Dieses Altersprofil ist von Bedeutung. Es bedeutet, dass die Geburten bei den türkischstämmigen Deutschen der zweiten Generation die Bevölkerung weiterhin stützen werden, auch wenn die Zuwanderung aus der Türkei weiter zurückgeht.
Quellen: Destatis, BAMF, SWP-Berlin, Hurriyetdailynews
Die Türken verteilten sich nicht gleichmäßig über ganz Deutschland. Sie folgten den Fabriken, den Gastarbeitervereinbarungen und den Chancen in den Städten. Dieses Muster zeigt sich auch heute noch deutlich in den Zahlen.
In Nordrhein-Westfalen leben mehr Türken als in jedem anderen deutschen Bundesland. Im Jahr 2023 lebten dort etwa 492.000 türkische Staatsangehörige. Rechnet man eingebürgerte Personen und in Deutschland geborene Nachkommen hinzu, steigt diese Zahl auf etwa 600.000 bis 700.000.
Städte wie Köln, Düsseldorf, Dortmund und Duisburg verfügen alle über gut etablierte türkische Gemeinschaften. Allein türkische Staatsangehörige machen etwa 2,7 % der 18 Millionen Einwohner von Nordrhein-Westfalen aus.
Berlin nimmt in der türkisch-deutschen Geschichte einen besonderen Platz ein. Laut den Statistiken der Stadt für das Jahr 2023 beläuft sich die Bevölkerung mit türkischem Hintergrund auf rund 191.000 Personen. Das entspricht fast 5 % der Gesamtbevölkerung Berlins.
Stadtteile wie Kreuzberg und Neukölln sind tief in der türkischen Kultur und im Gemeinschaftsleben verwurzelt. Die Türken sind nach wie vor die größte ethnische Minderheit in der Stadt.
Baden-Württemberg liegt bei der Gesamtzahl der türkischen Einwohner an zweiter Stelle hinter Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2023 lebten in dem Bundesland über 200.000 türkische Staatsangehörige. Allein in Stuttgart sind davon rund 23.000 ansässig.
Der Grund liegt in der Industrie. Die Fertigungs- und Automobilbranche in Stuttgart und Mannheim zog während der Zeit der Gastarbeitertätigkeit türkische Arbeitskräfte an, und viele blieben dort. Ihre Familien blieben und wuchsen.
Bayern weist nach Baden-Württemberg die zweitgrößte Konzentration auf. Die Gemeinschaft türkischer Herkunft in München umfasst etwa 35.000 bis 40.000 Menschen. Nürnberg und Augsburg tragen zusätzlich zu dieser Zahl bei. Die Gesamtzahl der Bevölkerung türkischer Herkunft in Bayern liegt wahrscheinlich zwischen 150.000 und 200.000.
Auch Hessen ist erwähnenswert. Der Großraum Frankfurt erhöht die Zahl der Menschen türkischer Herkunft in diesem Bundesland nach einigen Schätzungen auf rund 200.000. In Süddeutschland insgesamt ist die türkische Bevölkerung zahlreich und weit verstreut vertreten.
In den ehemaligen ostdeutschen Bundesländern sieht die Lage anders aus. Die türkischen Gemeinschaften dort sind klein. In den meisten ostdeutschen Bundesländern liegt der Anteil der Bevölkerung türkischer Herkunft unter 0,5 %. In Städten wie Dresden und Leipzig sind es jeweils nur wenige Tausend.
Die DDR hat sich nie am Gastarbeiterprogramm beteiligt. Dadurch entstand eine Lücke, die nie ganz geschlossen wurde. In keinem einzigen ostdeutschen Bundesland leben heute auch nur 20.000 bis 30.000 Einwohner türkischer Herkunft.
Quellen: Wikipedia, Wikipedia, Worldpopulationreview
In Deutschland leben Millionen von Menschen aus Dutzenden von Ländern. Doch einige wenige Gemeinschaften heben sich durch ihre schiere Größe besonders hervor. Hier zeigt sich, welchen Platz die Bevölkerung türkischer Herkunft in diesem Gesamtbild einnimmt.
Die Türkei und Syrien stehen in Deutschland für zwei sehr unterschiedliche Migrationsgeschichten. Die türkische Migration reicht bis in die 1960er Jahre zurück, in die Zeit der Gastarbeiter. Die syrische Migration hat seit 2015 stark zugenommen.
Im Jahr 2025 lebten rund 936.285 syrische Staatsangehörige in Deutschland. Das sind deutlich weniger als die 1,52 Millionen türkischen Staatsangehörigen im Land. Doch die Zahl der Einbürgerungen unter Syrern steigt rasant an. Im Jahr 2024 lagen die Syrer bei der Gesamtzahl der Einbürgerungen noch vor den Türken an erster Stelle.
Gruppe | Ausländer (2025) |
Türkisch | 1,520,400 |
syrisch | 936,285 |
Die türkische Gemeinschaft liegt sowohl bei der Zahl der Ausländer als auch bei der Gesamtbevölkerung mit Migrationshintergrund nach wie vor deutlich an der Spitze.
Polen und die Türkei liegen an der Spitze Kopf an Kopf. Beide Länder haben bis zum Jahr 2025 rund 1,5 Millionen Migranten der ersten Generation nach Deutschland geschickt. Damit sind sie die beiden größten Herkunftsgruppen für im Ausland geborene Einwanderer.
Russland und die Ukraine folgen dahinter. Im Jahr 2025 lebten in Deutschland rund 1,0 Millionen Menschen russischer Herkunft und 1,3 Millionen Menschen ukrainischer Herkunft. Die Zahl der Ukrainer stieg nach 2022 aufgrund des Krieges sprunghaft an.
Herkunftsland | Migranten der ersten Generation (2025) |
Polen | 1,5 Millionen |
Türkei | 1,5 Millionen |
Ukraine | 1,3 Millionen |
Russland | 1,0 Millionen |
Syrien | 1,0 Millionen |
Quelle: Destatis
Die Bevölkerung türkischer Herkunft in Deutschland lässt sich in zwei große rechtliche Gruppen unterteilen. Die eine besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft, die andere lediglich einen türkischen Pass. Die Grenze zwischen diesen beiden Gruppen hat sich im Laufe der Zeit verschoben.
Zum 31. Dezember 2025 besaßen genau 1.520.400 Menschen in Deutschland die türkische Staatsangehörigkeit. Davon waren 1.174.710 in der Türkei und 345.695 in Deutschland geboren.
Bei dieser zweiten Zahl lohnt es sich, einen Moment innezuhalten. Fast 346.000 in Deutschland geborene Menschen besitzen nach wie vor nur einen türkischen Pass. Dabei handelt es sich größtenteils um Einwohner der zweiten Generation, die nie eingebürgert wurden.
Offiziellen Angaben zufolge gibt es etwa 338.000 Personen mit doppelter türkisch-deutscher Staatsbürgerschaft. Diese Zahl wird jedoch allgemein als zu niedrig eingeschätzt. Viele Menschen besitzen beide Pässe, ohne dies offiziell zu melden.
Vor Juni 2024 mussten die meisten Antragsteller in Deutschland ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben. Diese Regelung hinderte viele seit langem in Deutschland lebende türkische Staatsangehörige daran, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Mit der Reform von 2024 wurde diese Auflage abgeschafft. Die doppelte Staatsangehörigkeit wurde damit erstmals rechtlich unproblematisch.
Diese eine Änderung ebnete einer großen Gruppe von Menschen, die jahrelang unentschlossen geblieben waren, den Weg zur Einbürgerung.
Der sprunghafte Anstieg der Einbürgerungszahlen im Jahr 2024 war kaum zu übersehen. Im Jahr 2023 ließen sich rund 11.000 Türken einbürgern. Diese Zahl hat sich im Jahr 2024 auf 22.525 mehr als verdoppelt.
Bei den Gesamtzahlen der Einbürgerungen im Jahr 2024 lagen die Türken an zweiter Stelle, direkt hinter den Syrern. Der Trend ist steigend, da immer mehr Einwohner nach den neuen Vorschriften einbürgerungsberechtigt werden.
Das Staatsbürgerschaftsgesetz vom Juni 2024 hat nicht nur die doppelte Staatsbürgerschaft zugelassen, sondern auch die reguläre Aufenthaltsdauer von acht auf fünf Jahre verkürzt. Für Personen, die einen besonderen Beitrag zur Gesellschaft leisten, wurde diese Frist sogar auf drei Jahre verkürzt.
Diese Änderungen sind vor allem für Langzeitaufenthalter von Bedeutung, die bereits gut integriert waren, aber durch die alten Vorschriften behindert wurden. Insbesondere für die türkische Gemeinschaft sind die Auswirkungen unmittelbar spürbar. Für rund 1,4 Millionen Personen in Deutschland, die ausschließlich einen türkischen Pass besitzen, gelten nun deutlich geringere Hürden für die Einbürgerung.
Sollte auch nur ein Bruchteil dieser Gruppe in den nächsten Jahren entsprechend handeln, wird sich die Zusammensetzung der Bevölkerung türkischer Herkunft in Deutschland hinsichtlich der Staatsangehörigkeit bis 2026 und darüber hinaus deutlich verändern.
Quellen: Mediendienst-integration, Destatis, Eufactcheck
Die Sprache ist eines der deutlichsten Zeichen dafür, wie tief die Wurzeln einer Gemeinschaft reichen. Bei den Deutschtürken erstrecken sich diese Wurzeln über drei Generationen und Millionen von Haushalten.
Von den rund 15,5 Millionen Menschen, die in Deutschland zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen, sprechen 14 % Türkisch. Damit liegt Türkisch vor Russisch mit 12 % und Arabisch mit 9 %.
Sprache | Anteil der Nicht-Deutschsprachigen |
Türkisch | 14% |
Russisch | 12% |
Arabisch | 9% |
Bundesweit sprechen 77 % der Deutschen zu Hause ausschließlich Deutsch. Etwa 17 % sind zweisprachig, und 6 % sprechen zu Hause überhaupt kein Deutsch. Einen bedeutenden Anteil dieser letzten Gruppe machen türkischsprachige Personen aus.
Von den 21,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sprachen nur 22 % zu Hause ausschließlich Deutsch. Rund 55 % mischten Deutsch mit einer anderen Sprache, und 23 % sprachen ausschließlich eine nichtdeutsche Sprache.
In dieser mittleren Gruppe ist die türkisch-deutsche Zweisprachigkeit zu Hause. Das Vermischen beider Sprachen im täglichen Gespräch ist in Haushalten, in denen die Eltern aus der Türkei gekommen sind und die Kinder hier aufgewachsen sind, weit verbreitet. Das ist kein Zeichen für mangelnde Integration. So funktioniert Sprache nun einmal in multikulturellen Familien.
Seit dem Jahr 2000 erhalten Kinder, die in Deutschland als Kinder türkischer Eltern geboren werden, in der Regel automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit. Diese Gesetzesänderung trug dazu bei, Deutsch als Erstsprache einer neuen Generation zu festigen, während Türkisch zu Hause weiter gelebt wurde.
Genaue Daten zur generationenübergreifenden Verbleibquote liegen nur begrenzt vor. Die allgemeinen Zahlen lassen jedoch ein klares Muster erkennen. Die Gemeinschaft türkischer Herkunft besteht mittlerweile mehrheitlich aus in Deutschland Geborenen. Über 52 % wurden in Deutschland geboren. Viele sind von klein auf zweisprachig aufgewachsen.
In Familien mit engen Verbindungen zu Verwandten in der Türkei bleibt Türkisch meist stark vertreten. In Haushalten, in denen beide Elternteile bereits in Deutschland aufgewachsen sind, verliert es schneller an Bedeutung. In der dritten Generation übernimmt Deutsch oft die Rolle der vorherrschenden Sprache, während Türkisch eher zu einer Herkunftssprache als zu einer Alltagssprache wird.
Deutschland hat nicht nur die größte türkische Gemeinschaft in Europa. Es hat mehr Einwohner türkischer Herkunft als die nächsten drei Länder zusammen.
Im Jahr 2025 lebten in den Niederlanden etwa 468.000 Menschen türkischer Herkunft. Davon waren rund 234.000 in der Türkei geboren, 168.600 mit zwei türkischen Eltern in den Niederlanden geboren und etwa 65.700 mit einem türkischen Elternteil.
Die 3,0 Millionen Menschen türkischer Herkunft in Deutschland machen mehr als das Sechsfache dieser Zahl aus. Der Zustrom von Gastarbeitern nach Deutschland war schlichtweg weitaus größer und dauerte viel länger.
Im Jahr 2024 leben in Frankreich fast 600.000 Einwohner mit türkischer Staatsangehörigkeit oder Eltern türkischer Herkunft. Damit liegt Frankreich gemessen an der Größe der türkischen Diaspora an zweiter Stelle unter den europäischen Ländern.
Dennoch ist die Gesamtzahl in Deutschland fünfmal so hoch. Frankreich zog während der Gastarbeiterära weniger türkische Arbeitskräfte an und verfügte über andere Einwanderungswege. Die türkische Gemeinschaft in Frankreich ist zudem eher über verschiedene Städte verteilt, anstatt sich auf wenige große Ballungszentren zu konzentrieren.
Im Januar 2025 lebten in Österreich rund 124.788 türkische Staatsbürger. Die Gesamtbevölkerung türkischer Herkunft, einschließlich eingebürgerter Österreicher, dürfte höher liegen. Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Zahl macht die türkische Gemeinschaft in Österreich nur einen Bruchteil derjenigen in Deutschland aus.
Land | Bevölkerung türkischer Herkunft |
Deutschland | 3,000,000 |
Frankreich | 600,000 |
Niederlande | 468,000 |
Österreich | 124,800+ |
Quellen: Mediendienst-integration, Cats-network, CBS, Statistik
Die türkische Gemeinschaft in Deutschland ist die größte türkische Diaspora in Europa und eine der am besten integrierten Einwanderergruppen weltweit. Sie hat durch Gastarbeiterabkommen Fuß gefasst, ist durch Familienzusammenführung gewachsen und trägt sich heute durch die zweite und dritte Generation, die hier in Deutschland geboren wurde.
Mit 2,9 Millionen Menschen türkischer Herkunft, einer stark steigenden Einbürgerungsquote und dem Türkischen, das sich als häufigste nichtdeutsche Sprache im Land behauptet, ist diese Gemeinschaft in Deutschland nicht nur präsent. Sie ist fest in das Land eingebunden.