Statistiken zum Fachkräftemangel in Deutschland [Bericht 2026]

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist längst über das Stadium eines reinen Einstellungsproblems hinausgewachsen. Er hat sich zu einer strukturellen Krise entwickelt, die durch demografische Entwicklungen, Qualifikationsungleichgewichte und eine Rentnerwelle verursacht wird und die bisher noch durch kein Visaprogramm vollständig ausgeglichen werden konnte.

Die Zahlen zeichnen ein Bild, das sich durch alle Branchen und Regionen zieht. Von den ländlichen Gebieten Bayerns bis zu den Baustellen in Nordrhein-Westfalen, von den Krankenstationen bis zu den IT-Abteilungen – die Kluft zwischen offenen Stellen und qualifizierten Arbeitskräften zeigt sich in den Daten Jahr für Jahr.

Dieser Beitrag vermittelt einen umfassenden Überblick anhand fundierter Statistiken zu Entwicklungen bei offenen Stellen, regionalen Ungleichgewichten, Einwanderungsdaten, Lohndruck, Branchenaufschlüsselungen und demografischen Prognosen bis zum Jahr 2035.

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Stephan Dorn

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Bericht „Statistiken zum Fachkräftemangel in Deutschland 2026“
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Statistiken zum Fachkräftemangel in Deutschland [Bericht 2026]

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist längst über das Stadium eines reinen Einstellungsproblems hinausgewachsen. Er hat sich zu einer strukturellen Krise entwickelt, die durch demografische Entwicklungen, Qualifikationsungleichgewichte und eine Rentnerwelle verursacht wird und die bisher noch durch kein Visaprogramm vollständig ausgeglichen werden konnte.

Die Zahlen zeichnen ein Bild, das sich durch alle Branchen und Regionen zieht. Von den ländlichen Gebieten Bayerns bis zu den Baustellen in Nordrhein-Westfalen, von den Krankenstationen bis zu den IT-Abteilungen – die Kluft zwischen offenen Stellen und qualifizierten Arbeitskräften zeigt sich in den Daten Jahr für Jahr.

Dieser Beitrag vermittelt einen umfassenden Überblick anhand fundierter Statistiken zu Entwicklungen bei offenen Stellen, regionalen Ungleichgewichten, Einwanderungsdaten, Lohndruck, Branchenaufschlüsselungen und demografischen Prognosen bis zum Jahr 2035.

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Fachkräftemangel in Deutschland (Redaktionsempfehlungen)

Deutschland: Fachkräftemangel – Empfehlungen der Redaktion
  • Im Jahr 2023 blieben in Deutschland 532.000 Fachkräfte-Stellen unbesetzt; diese Zahl sank im Jahr 2024 auf 487.000 und im Jahr 2025 auf 369.516.
  • Ein Drittel aller offenen Stellen für Fachkräfte blieb im Jahr 2025 unbesetzt.
  • Die Zahl der offenen Stellen für Fachkräfte sank von 1,30 Millionen (2023) auf 1,11 Millionen (2025).
  • Die Zahl der offenen Stellen im IT-Bereich sank im Jahr 2024 um 26,2 % und belief sich auf 46.400.
  • 30,4 % der Bauunternehmen und 30,6 % der Transportunternehmen gaben an, dass sie im Januar 2026 offene Stellen hatten.
  • Die Beschäftigungsquote in Deutschland lag im ersten Quartal 2024 bei 77,4 %, die Arbeitslosenquote betrug lediglich 3,3 %.
  • Im Jahr 2024 waren 1,14 Millionen Fachkräfte arbeitslos, dennoch blieben Hunderttausende von Stellen unbesetzt.
  • Der Bedarf an Pflegekräften wird bis 2049 voraussichtlich um 33 % steigen, was zu einem Mangel von 280.000 bis 690.000 Pflegekräften führen wird.
  • Bis zum Jahr 2028 könnten aufgrund von Pensionierungen bis zu 768.000 qualifizierte Arbeitsplätze wegfallen.
  • In Bayern gab es im Jahr 2024 137.000 unbesetzte Fachkräfte-Stellen, nach einem Höchststand von 161.000 im Jahr 2023.
  • In ländlichen Gebieten blieben 61,6 % der offenen Stellen für Fachkräfte unbesetzt, während es in Großstädten 41,7 % waren.
  • 72,2 % der unbesetzten Arztstellen befanden sich in ländlichen Gebieten.
  • 73 % der offenen Stellen für Ärzte in ländlichen Gebieten bleiben unbesetzt.
  • In Deutschland fehlen derzeit 109.000 IT-Fachkräfte (gegenüber 149.000 vor zwei Jahren).
  • 85 % der deutschen Unternehmen geben an, dass der Mangel an IT-Fachkräften ihren Geschäftsbetrieb beeinträchtigt.
  • 49 % der offenen Stellen für Bauelektriker blieben im Zeitraum 2024–25 unbesetzt.
  • Im September 2025 waren in Deutschland 5,7 Millionen Ausländer beschäftigt, was einem Anteil von 16,4 % aller Beschäftigten entspricht.
  • 55,7 % der ausländischen Arbeitnehmer in Deutschland kamen aus Ländern außerhalb der EU.
  • Im Jahr 2022 erhielten 73.065 Personen eine neue Aufenthaltsgenehmigung im Rahmen der Arbeitsmigration, was einem Anstieg von 77,8 % gegenüber 2021 entspricht.
  • Deutschland hat im Jahr 2024 198.000 Visa für Fachkräfte erteilt – ein Rekordhoch.
  • Mitte 2024 waren bei der Bundesagentur für Arbeit 700.000 offene Stellen gemeldet.
  • Bis 2028 werden 4,7 Millionen Arbeitnehmer aus dem deutschen Arbeitsmarkt ausscheiden, wodurch jährlich 400.000 neue Fachkräfte benötigt werden.
  • Im Mai 2024 gab es in den USA 1,5 Millionen Arbeitslose weniger als offene Stellen.
  • Die Beschäftigungsquote in Deutschland liegt mit 77 % weit über der Quote in den USA von 61 %.
  • Das durchschnittliche monatliche Bruttoeinkommen stieg von 4.317 € im Jahr 2019 auf 5.072 € im Jahr 2023.
  • Im Jahr 2024 waren nur 18,8 % der deutschen Bevölkerung unter 20 Jahre alt; 22,6 % waren zwischen 60 und 79 Jahre alt.
  • Die Erwerbsquote der Frauen lag 2023 bei 75,2 %, gegenüber 83–85 % bei den Männern.

Daten zum Anstieg des Fachkräftemangels in Deutschland

Daten zum Anstieg des Fachkräftemangels in Deutschland

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist kein neues Thema, doch die Zahlen machen immer wieder deutlich, wie ernst die Lage ist. Hier finden Sie einen übersichtlichen Überblick darüber, wie die Lage derzeit aussieht und wie sich die Entwicklung voraussichtlich fortsetzen wird.

Gesamtdefizit an Fachkräften in Deutschland (2015–2026)

Die Kluft zwischen offenen Stellen und qualifizierten Arbeitskräften erreichte ihren Höhepunkt etwa zwischen 2022 und 2023. Nach Angaben des KOFA (IW) gab es etwa 532.000 Stellen blieben 2023 aufgrund eines Mangels an qualifizierten Arbeitskräften unbesetzt. Diese Zahl sank 2024 auf rund 487.000 und 2025 weiter auf etwa 369.516.

Doch dieser Rückgang bedeutet noch keine Entlastung. Ein Drittel aller offenen Stellen für Fachkräfte blieb auch im Jahr 2025 unbesetzt.

Anstieg der Leerstände im Jahresvergleich nach Sektoren

Die Gesamtnachfrage schwächte sich nach 2023 ab. Die Zahl der offenen Stellen für Fachkräfte sank von 2023 bis 2024 um etwa 4,3 %. Dies folgte auf einen Rückgang von bereits 4,2 % im Jahr 2023.

Den stärksten Rückgang verzeichnete der IKT-Sektor. Die Zahl der offenen Stellen im IT-Bereich sank im Jahr 2024 um 26,2 % und lag schließlich bei rund 46.400.

Im Baugewerbe und im Dienstleistungssektor war der Personalmangel nach wie vor am größten. Im Januar 2026 meldeten noch rund 30,4 % der Bauunternehmen Personalengpässe. Bei den Transport- und Logistikunternehmen lag dieser Anteil bei 30,6 %, nach zuvor 42,7 %. Im verarbeitenden Gewerbe war der Anteil mit rund 16,6 % geringer.

Offene Stellen im Vergleich zur Entwicklung der Beschäftigungsquote

Der deutsche Arbeitsmarkt blieb in diesem Zeitraum äußerst angespannt. Im ersten Quartal 2024 lag die Erwerbsquote bei rund 77,4 %, während die Arbeitslosenquote mit nur 3,3 % nahe ihrem historischen Tiefstand lag.

Das macht die Situation so schwierig: Im Jahr 2024 waren rund 1,14 Millionen Fachkräfte arbeitslos. Dennoch blieben Hunderttausende von Stellen unbesetzt.

Der Grund? Ein deutliches Missverhältnis. Nur etwa 25 % der Arbeitssuchenden suchten nach Stellen in Mangelberufen. Gleichzeitig stammte rund die Hälfte der 439.000 Vollzeitstellen für Fachkräfte im Jahr 2024 genau aus diesen Mangelbereichen.

Aufgrund dieses Ungleichgewichts blieben im Jahr 2024 rund 487.000 Stellen unbesetzt und im Jahr 2025 rund 369.000.

Auswirkungen der alternden Bevölkerung auf das Arbeitskräfteangebot

Die demografische Entwicklung steht im Mittelpunkt dieses Problems. Die Babyboomer-Generation wird in den nächsten 10 bis 15 Jahren in den Ruhestand gehen, wodurch ein großer Teil der Erwerbsbevölkerung wegfallen wird.

Der Bereich der Krankenpflege weist die stärkste Prognose auf. Es wird erwartet, dass die Nachfrage bis 2049 um 33 % steigen wird, von 1,62 Millionen im Jahr 2019 auf etwa 2,15 Millionen. Dies könnte zu einem Mangel von 280.000 bis 690.000 Pflegekräften führen.

Forschungsmodelle des BIBB und des IAB kommen zu demselben Ergebnis. Selbst wenn mehr Frauen und ältere Arbeitnehmer im Erwerbsleben verbleiben, wird der Fachkräftemangel im mittleren Qualifikationsbereich bis weit ins Jahr 2030 hinein anhalten. Das IW und die BDA prognostizieren, dass bis 2028 bis zu 768.000 qualifizierte Arbeitsplätze wegfallen werden, da die Zahl der Pensionierungen zunimmt.

Prognostizierte Arbeitskräftelücke in Deutschland (2026–2035)

Es wird erwartet, dass sich die Lücke in naher Zukunft weiter vergrößern wird. Eine IW-Studie vom August 2024 prognostiziert für das Jahr 2027 einen Fachkräftemangel von rund 728.000 Personen, sofern sich die Trends der Jahre 2016 bis 2023 fortsetzen. In den Bereichen Pflege, Kinderbetreuung und Sozialarbeit ist der Mangel am größten.

Quellen: Iwkoeln, Ifo, OECD, Arbeitsagentur, Destatis, Bibb, Arbeitgeber, Prognos

Daten zum regionalen Arbeitskräftemangel in ganz Deutschland

Daten zum regionalen Arbeitskräftemangel in ganz Deutschland

Der Fachkräftemangel wirkt sich nicht in allen Regionen gleichermaßen aus. Geografische Gegebenheiten, die Branchenstruktur und die Bevölkerungsdichte bestimmen, wie akut sich das Problem vor Ort darstellt.

Fachkräftemangel in Bayern

In Bayern ist der absolute Fachkräftemangel einer der größten im ganzen Land. Im Jahr 2024 konnten dort rund 137.000 Fachkräfte-Stellen nicht besetzt werden. Zuvor war im Jahr 2023 ein Höchststand von etwa 161.000 verzeichnet worden.

Die Zahlen gingen leicht zurück, blieben aber weiterhin hoch. Einige bayerische Landkreise spüren den Druck weitaus stärker als andere. Der Landkreis Weiden stach besonders hervor: Dort gab es für 77,5 % der offenen Stellen im Facharbeiterbereich keine geeigneten Bewerber. Das war die höchste Quote in ganz Deutschland.

Die südlichen Regionen, insbesondere Bayern, weisen durchweg deutlich größere Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen auf als die östlichen Bundesländer.

Arbeitskräftemangel in Nordrhein-Westfalen (NRW)

In NRW ist die absolute Lücke geringer. Im Jahr 2025 blieben rund 56.392 Fachkräfte-Stellen unbesetzt. Das bedeutet, dass 26,7 % aller offenen Stellen keine qualifizierten Bewerber fanden.

Der größte Teil des Defizits war bei den Fachkräften zu verzeichnen. Vor allem die Bauberufe trugen zu diesem Mangel bei.

Entwicklungen beim Arbeitskräftemangel in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg fehlten im Jahr 2025 durchschnittlich rund 47.049 Fachkräfte. Das entspricht 34,9 % aller offenen Stellen, für die keine qualifizierten Bewerber zur Verfügung standen.

In bestimmten Regionen des Bundesstaates war der Druck deutlich stärker:

Bezirk

Nichtbesetzungsquote

Offenburg

54.9%

Ulm

49.9%

Ludwigsburg

~30%

Heidelberg

~31%

Die größten Lücken zeigten sich im Bereich der beruflichen Bildung, was darauf hindeutet, dass es eher an Fachkräften mit einer handwerklichen Ausbildung mangelt als an Hochschulabsolventen.

Arbeitsmarktunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland

Die Kluft verläuft eher in Nord-Süd-Richtung als in Ost-West-Richtung. Daten von KOFA zeigen, dass in Süddeutschland, insbesondere in Bayern, die größten Engpässe bestehen.

Von den elf Landkreisen mit einer Leerstandsquote von über 70 % lagen nur zwei im Osten. Die übrigen befanden sich in Bayern. Dennoch wiesen einige Landkreise im Osten weiterhin hohe Werte auf. Riesa in Sachsen verzeichnete eine Leerstandsquote von 64,6 %.

In den städtischen Zentren im Osten werden Leerstände schneller abgebaut als in vielen Industrieregionen im Süden. Berlin weist beispielsweise in vergleichbaren Sektoren geringere Leerstandsquoten auf als München.

Verfügbarkeit von Fachkräften in städtischen und ländlichen Gebieten

In ländlichen Gebieten ist es schwieriger, offene Stellen zu besetzen. Zwischen Juli 2023 und Juni 2024 fanden sich für 61,6 % der offenen Stellen für Fachkräfte in dünn besiedelten Bezirken keine geeigneten Bewerber. In Großstädten lag dieser Anteil bei 41,7 %.

Gemessen am Gesamtvolumen entfallen nach wie vor die meisten unbesetzten Stellen auf Städte. In städtischen Gebieten gab es rund 286.600 unbesetzbare Stellen, gegenüber etwa 98.000 in abgelegenen ländlichen Gebieten.

Ländliche Gebiete stehen jedoch in Bezug auf die Grundversorgung unter einem besonderen Druck. Rund 72,2 % der unbesetzten Arztstellen befanden sich in ländlichen Gebieten. Das ist eine Versorgungslücke, die weit über wirtschaftliche Aspekte hinausgeht.

Quellen: Arbeitsmarktradar, Iwkoeln, Kofa

Statistiken zum Fachkräftemangel nach Branchen

Statistiken zum Fachkräftemangel nach Branchen

Die Fachkräftkrise in Deutschland stellt sich je nach Branche unterschiedlich dar. In einigen Sektoren hat sich die Lage zwar leicht entspannt, doch die strukturellen Lücken sind noch lange nicht geschlossen.

Daten zum Personalmangel im Gesundheitswesen und in der Pflege

Das Gesundheitswesen steht seit Jahren ganz oben auf der Liste der Berufe mit Personalmangel in Deutschland. Destatis geht davon aus, dass Deutschland bis 2049 rund 2,15 Millionen Pflegekräfte benötigen wird. Das entspricht einem Anstieg von 33 % gegenüber dem Stand von 2019 und deutet je nach Szenario auf eine Lücke von 280.000 bis 690.000 Pflegekräften hin.

Das Problem macht sich bereits in der Praxis bemerkbar. Daten der KOFA aus dem Jahr 2024 zeigen, dass sich nur auf etwa 64 % der offenen Stellen in der Pflege Bewerber gemeldet haben. Das bedeutet, dass 36 % der Stellen schlichtweg nicht besetzt werden können. Pflegeberufe tauchen regelmäßig auf der offiziellen Liste der Engpassberufe in Deutschland auf.

Die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten ist davon am stärksten betroffen. Rund 73 % der offenen Stellen für Ärzte in ländlichen Gebieten bleiben unbesetzt. Auch Stellen in anderen Gesundheitsberufen bleiben oft monatelang unbesetzt, was deutlich macht, wie tiefgreifend der strukturelle Mangel ist.

Der Fachkräftemangel im IT- und Technologiebereich in Deutschland

Der Fachkräftemangel in der IT-Branche hat sich zwar etwas verringert, stellt aber nach wie vor eine echte Krise dar. Bitkom berichtete im August 2025, dass in der deutschen Wirtschaft derzeit 109.000 IT-Fachkräfte fehlen. Das sind zwar weniger als die 149.000 vor zwei Jahren, doch 85 % der Unternehmen geben nach wie vor an, dass der IT-Fachkräftemangel ihren Geschäftsbetrieb beeinträchtigt.

Dieser Rückgang spiegelt eine verlangsamte Einstellungstätigkeit wider, nicht jedoch eine geringere Nachfrage. Bei Softwareentwicklern, Cybersicherheitsspezialisten und Cloud-Experten herrscht nach wie vor ein struktureller Fachkräftemangel. Viele Unternehmen setzen auf KI-Tools und interne Umschulungen, um diese Lücke zu schließen, doch angesichts eines Defizits von derzeit über 100.000 IT-Fachkräften wird der zugrunde liegende Mangel nicht verschwinden.

Fachkräftemangel im Ingenieurwesen und in der Fertigung

Stellen im Ingenieurwesen und in der Fachfertigung gehören zu den am schwersten zu besetzenden Positionen in Deutschland. In der Automobil-, Metall- und Maschinenbauindustrie stehen Mechatroniker und Elektronikingenieure durchweg ganz oben auf der Liste der Mangelberufe.

Prognosen der BDA und des IW gehen davon aus, dass bis 2028 bis zu 768.000 Arbeitskräfte fehlen werden, wobei ein großer Teil dieses Defizits auf den Ingenieur- und Technikbereich entfällt. Allein im Jahr 2025 entfielen rund 225.000 aller unbesetzten Fachkräftepositionen auf ausgebildete Techniker und Handwerker.

Ein Datenpunkt sticht besonders hervor. Selbst im Jahr 2024 gab es für rund 45 % der offenen Stellen im Bereich Elektrotechnik überhaupt keine Bewerber. Die deutsche Anlagenproduktion hat unter diesen Engpässen gelitten, und Unternehmen stufen Ingenieursstellen durchweg als besonders schwer zu besetzend ein.

Arbeitskräftemangel in der Logistik- und Transportbranche

Die Transport- und Logistikbranche startete mit einem der höchsten Personalengpässe aller Branchen ins Jahr 2024. Die ifo-Umfrage vom Januar 2026 ergab, dass etwa 30,6 % der Logistik- und Transportunternehmen nach wie vor nicht das benötigte Personal finden konnten. Das ist zwar eine Verbesserung gegenüber den zuvor gemeldeten 42,7 %, doch hat immer noch fast jedes dritte Unternehmen damit zu kämpfen.

Fachkräftemangel in der Bauindustrie

Das Baugewerbe weist eine der höchsten und beständigsten Fachkräftelücken in Deutschland auf. Im Januar 2026 meldeten rund 30,4 % der Bauunternehmen offene Stellen, die sie einfach nicht besetzen konnten. Elektriker, Zimmerleute und Maurer stehen im Mittelpunkt dieses Fachkräftemangels.

In einigen Fachbereichen spitzt sich die Lage sogar weiter zu. Daten der KOFA aus dem Jahr 2025 zeigen, dass der Fachkräftemangel bei Straßen- und Asphaltbauarbeitern im Vergleich zu 2024 um 38 % gestiegen ist. Dieser Anstieg ist wahrscheinlich auf öffentliche Infrastrukturprogramme zurückzuführen. Maschinenführer für Schwermaschinen sehen sich mit einem ähnlichen Engpass konfrontiert.

Quellen: Destatis, Iwkoeln, Bitkom, Arbeitgeber, Ifo

Aufschlüsselung des Bedarfs an qualifizierten Arbeitskräften nach Teilbereichen

Aufschlüsselung des Bedarfs an Fachkräften nach Teilbereichen

Der Mangel verteilt sich nicht gleichmäßig auf die verschiedenen Berufsgruppen oder Bildungsniveaus. Ein genauerer Blick auf die Aufschlüsselung zeigt ein differenzierteres Bild.

Arbeitskräftemangel bei Arbeitern vs. Angestellten

Beide Seiten der Arbeitswelt spüren die Auswirkungen, doch die Arbeiterberufe haben derzeit die größere Last zu tragen. Fachberufe im Baugewerbe, im verarbeitenden Gewerbe und in der Logistik machen den Großteil der unbesetzten Stellen in ganz Deutschland aus.

Der Fachkräftemangel bei Angestellten, insbesondere in den Bereichen IT und Ingenieurwesen, sorgt oft für Schlagzeilen. Rein zahlenmäßig gesehen sind Facharbeiter jedoch schwerer kurzfristig zu ersetzen. Der Nachschub an ausbildungsgeprüften Fachkräften kommt nur langsam voran, und viele junge Deutsche haben sich in den letzten zehn Jahren für akademische Laufbahnen entschieden.

Fachkräftemangel nach Bildungsniveau (beruflich vs. akademisch)

Die Aufschlüsselung der Qualifikationen von 2023 bis 2024 zeigt eine klare Trennung:

Qualifikationsniveau

Änderung der Stellenausschreibung

Fach- bzw. akademisches Niveau

Rückgang um ca. 15,5 %

Ausgebildet

Rückgang um ca. 1,3 %

Die Zahl der offenen Stellen für Fachkräfte ging stark zurück, was vor allem auf Einsparungen bei hochkomplexen Projekten zurückzuführen war. Bei den handwerklichen Berufen blieb die Lage hingegen deutlich stabiler. Dies zeigt, dass die strukturelle Nachfrage nach Fachkräften mit handwerklicher Ausbildung stabiler ist und weniger stark von Konjunkturzyklen abhängt als die Nachfrage nach hochspezialisierten akademischen Fachkräften.

Im Jahr 2025 machten Qualifikationslücken auf der beruflichen Ebene den größten Anteil der unbesetzten Stellen in Bundesländern wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen aus.

Fachkräftemangel im Handwerk

Das Handwerk ist einer der am stärksten unter Druck stehenden Bereiche des Arbeitsmarktes. Elektriker, Klempner, Heizungsbauer und Dachdecker tauchen in den regionalen Daten zum Fachkräftemangel immer wieder auf.

Allein in Nordrhein-Westfalen blieben im Jahr 2025 fast 2.889 Stellen für Elektriker unbesetzt. In Baden-Württemberg liegt der Mangel vor allem im Bereich der handwerklichen Berufe. Die ländlichen Landkreise Bayerns verzeichnen einige der schlechtesten Besetzungsquoten für handwerkliche Berufe im ganzen Land.

Das Kernproblem ist generationsbedingt. Viele Meister ihres Fachs treten in den Ruhestand, und es gibt nicht genügend junge Arbeitskräfte, die in ihre Fußstapfen treten.

Beitrag ausländischer Arbeitskräfte und Einwanderungsdaten

Beitrag ausländischer Arbeitskräfte und Einwanderungsdaten

Deutschland kann seinen Fachkräftemangel nicht aus eigener Kraft beheben. Ausländische Arbeitskräfte sind mittlerweile der wichtigste Faktor, der den Arbeitsmarkt vor dem völligen Zusammenbruch bewahrt.

Zahl der ausländischen Fachkräfte in Deutschland (2015–2026)

Die ausländischen Arbeitskräfte in Deutschland haben sich zu einer tragenden Säule der Wirtschaft entwickelt. Im September 2025 gingen 5,7 Millionen Ausländer einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Das entspricht 16,4 % aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer.

Mehr als die Hälfte dieser Arbeitnehmer, etwa 55,7 %, stammte aus Ländern außerhalb der EU. Diese Verlagerung hin zu Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern spiegelt sowohl politische Veränderungen wider als auch die Grenzen dessen, was die Freizügigkeit innerhalb der EU allein leisten kann.

Der aussagekräftigste Indikator ergibt sich aus den Beschäftigungstrends für das Jahr 2025:

Arbeitnehmergruppe

Veränderung der Beschäftigungslage (2025)

Staatsangehörige aus Nicht-EWR-Ländern

+259,000

deutsche Staatsangehörige

-211,000

EWR-Bürger

-27,000

Ausländische Arbeitskräfte füllen nicht nur Lücken. Sie sind derzeit der Motor des gesamten Nettobeschäftigungswachstums in Deutschland.

Zuwanderung von Fachkräften aus der EU im Vergleich zu Nicht-EU-Ländern

Die Zusammensetzung der Personen, die zum Arbeiten nach Deutschland kommen, hat sich spürbar verändert. Im Jahr 2024 kamen etwa 47 % der 586.000 neuen Langzeitmigranten im Rahmen der EU-Freizügigkeit nach Deutschland, das sind rund 275.000 Menschen. Etwa 11 % oder rund 64.000 wurden als Arbeitsmigranten aus Nicht-EU-Ländern eingestuft.

Die Arbeitsmigration aus Nicht-EU-Ländern hat in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. Daten von Destatis zeigen, dass im Jahr 2022 351.000 Arbeitsmigranten aus Nicht-EU-Ländern zugewandert sind – ein Anstieg um 19 % gegenüber 2021 und das Vierfache der im Jahr 2010 verzeichneten Zahl von 85.000.

Auch der Anteil der Zuwanderer aus Drittstaaten mit Arbeitserlaubnis stieg von 3,8 % im Jahr 2022 auf 6,4 % im Jahr 2023. Dieser Aufwärtstrend spiegelt sowohl die steigende Nachfrage wider als auch die Tatsache, dass Deutschland aktiv weitere legale Einwanderungswege erschließt.

Auswirkungen der Gesetze zur Einwanderung von Fachkräften (Reformen von 2020 und 2023)

Die Gesetzesänderungen in Deutschland haben spürbare Auswirkungen gezeigt. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz von 2020 und die darauf folgenden Änderungen im Jahr 2023 haben direkt zu einem Anstieg der Visumzahlen geführt.

Allein im Jahr 2022 erhielten 73.065 Personen eine neue Aufenthaltserlaubnis im Rahmen der Arbeitsmigration. Das entspricht einem Anstieg von 77,8 % gegenüber 2021. Davon waren 38.820 Personen, also 53,1 %, Fachkräfte mit einer gemäß § 18 des Aufenthaltsgesetzes formal anerkannten Qualifikation.

Die Bundesregierung hatte sich für 2024 ein Ziel von rund 200.000 Fachkräftevisa gesetzt. Dieses Ziel wurde fast erreicht. Die Gesetzesänderungen haben den Weg dafür geebnet. Ob genug Menschen diese Chance nutzen, bleibt jedoch die größere Frage.

Die wichtigsten Herkunftsländer für Fachkräfte

Die Ukraine, Rumänien und Syrien waren 2023 die drei wichtigsten Herkunftsländer von Einwanderern nach Deutschland. Die Zuwanderungsströme aus der Ukraine erreichten 2022 infolge des Krieges einen starken Höhepunkt und haben sich seitdem abgeschwächt.

Historisch gesehen waren Polen und die Türkei wichtige Herkunftsländer; Polen machen etwa 10 % der in Deutschland lebenden Bevölkerung mit ausländischer Herkunft aus, Türken etwa 9 %. Auch die Arbeitsmigration aus Indien und anderen südasiatischen Ländern hat in den letzten Jahren zugenommen, insbesondere in den Bereichen IT und Ingenieurwesen.

Genehmigte Visa im Vergleich zur Lücke bei der Arbeitskräftenachfrage

Deutschland hat im Jahr 2024 rund 198.000 Visa für Fachkräfte erteilt – eine Rekordzahl. Im Vergleich zum tatsächlichen Bedarf erscheint diese Zahl jedoch gering.

Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete Mitte 2024 rund 700.000 offene Stellen. Das IAB schätzt, dass bis 2028 etwa 4,7 Millionen Arbeitnehmer aus dem deutschen Erwerbsleben ausscheiden werden, was einen Bedarf von rund 400.000 neuen Fachkräften pro Jahr bedeutet.

Quellen: Destatis, Dgap, Statistik der Arbeitsagentur, OECD, BAMF, Prominencevisaservices, Eures

Vergleichsdaten: Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern

Vergleichsdaten: Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern

Der Arbeitskräftemangel in Deutschland erscheint für sich genommen schon gravierend. Im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften ergibt sich jedoch ein differenzierteres und nuancierteres Bild.

Vergleich des Fachkräftemangels in Deutschland und Frankreich

Sowohl Deutschland als auch Frankreich haben mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Die Arbeitslosenquote in Deutschland lag Mitte 2024 bei 3,3 % und damit deutlich unter der Quote in Frankreich, die bei rund 7 % lag. Eine niedrigere Arbeitslosenquote bei gleichzeitig hoher Zahl offener Stellen deutet auf einen angespannteren Arbeitsmarkt hin.

Nach Eurostat-Daten für das vierte Quartal 2025 liegt die Stellenangebotsquote in Deutschland bei 2,8 % und damit über dem EU-Durchschnitt von 2,0 %. Die Stellenangebotsquote in Frankreich lag in den letzten Jahren im Allgemeinen näher am EU-Durchschnitt. Zwar melden französische Arbeitgeber einen Fachkräftemangel in den Bereichen Ingenieurwesen und Gesundheitswesen, doch verschärft der stärkere Bevölkerungsrückgang in Deutschland die strukturelle Lücke noch weiter.

Analyse der Lücken im Arbeitsmarkt: Deutschland vs. Niederlande

Gemessen an der Stellenangebotsquote ist der Arbeitsmarkt in den Niederlanden tatsächlich angespannter als in Deutschland. Im vierten Quartal 2025 lag die Stellenangebotsquote in den Niederlanden bei 3,9 %, während sie in Deutschland bei 2,8 % lag.

Beide Länder haben mit einer alternden Erwerbsbevölkerung und Fachkräftemangel in den Bereichen MINT, Gesundheitswesen und Handwerk zu kämpfen. Der Unterschied liegt im Ausmaß. In Deutschland sind rund 46,1 Millionen Menschen erwerbstätig, in den Niederlanden hingegen etwa 9 Millionen. Das Problem in Deutschland ist in absoluten Zahlen größer, auch wenn der niederländische Arbeitsmarkt proportional angespannter ist.

Entwicklungen beim Arbeitskräftemangel in Deutschland und Großbritannien

Großbritannien steht vor altbekannten Problemen. Im Gesundheitswesen (NHS), im Baugewerbe und im Technologiebereich herrscht nach wie vor Personalmangel. Die Arbeitslosenquote in Großbritannien lag Mitte 2024 bei etwa 4,2 % und damit leicht über der deutschen Quote von 3,3 %.

Die Arbeitslosenquote in Deutschland lag im vierten Quartal 2025 bei 2,8 % und damit nahe am Wert des Vereinigten Königreichs von rund 3 % Ende 2024. Beide Länder verzeichnen angespannte Arbeitsmärkte mit hohen Quoten unbesetzter Stellen. Die durch den Brexit verursachten Störungen der Arbeitskräfteströme im Vereinigten Königreich verschärfen die dortige Herausforderung strukturell, während Deutschland innerhalb der EU nicht in gleicher Weise davon betroffen ist.

Weltweiter Vergleich: Fachkräftemangel in Deutschland und den USA

Die USA und Deutschland sehen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln ähnlichen strukturellen Belastungen gegenüber. Im Mai 2024 gab es in den USA 1,5 Millionen Arbeitslose weniger als offene Stellen – ein Netto-Mangel, wie man es auch dreht und wendet. Im Februar 2025 beliefen sich die unbesetzten Stellen in den USA auf rund 4,5 % des Arbeitskräftebedarfs.

Die Stellenangebotsquote von 2,8 % im vierten Quartal 2025 lässt Deutschland nach diesem Maßstab zwar besser dastehen. Doch die Gesamtbeschäftigungsquote Deutschlands von rund 77 % liegt weit über der Quote der USA von etwa 61 %. Deutschland bringt einen weitaus größeren Teil seiner Bevölkerung in Arbeit, kann aber dennoch die benötigten Stellen nicht besetzen. Diese Kombination macht den Arbeitskräftemangel in Deutschland strukturell schwieriger zu beheben, als es die reinen Zahlen der offenen Stellen allein vermuten lassen.

Quellen: Eurostat, McKinsey

Daten zum Lohn- und Gehaltsdruck aufgrund von Arbeitskräftemangel

Daten zum Lohn- und Gehaltsdruck aufgrund von Arbeitskräftemangel

Wenn Arbeitskräfte knapp sind, steigen die Löhne. Der Arbeitskräftemangel in Deutschland hat das Lohnniveau auf breiter Front in die Höhe getrieben, und die Arbeitgeber geraten von allen Seiten unter Druck.

Entlohnungsentwicklung in stark nachgefragten Berufen

Das nominale Lohnwachstum in Deutschland hat in den letzten Jahren an Fahrt gewonnen. Der Index der nominalen Bruttoeinkommen stieg im Jahr 2022 um 2,6 %. Im vierten Quartal 2025 stieg das Arbeitsentgelt pro Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 %.

Da sich die Inflation im vierten Quartal 2025 auf rund 2,2 % abschwächte, stiegen die Reallöhne wieder an und legten um etwa 1,9 % zu. Die Tarifverhandlungen des Jahres 2024 trieben die Löhne in Branchen mit Arbeitskräftemangel noch weiter in die Höhe, wobei sich viele Branchen auf Lohnerhöhungen von 5 % bis 7 % einigten.

Gehaltsvergleich vor und nach dem Anstieg des Arbeitskräftemangels

Die Entwicklung des Durchschnittslohns in den letzten fünf Jahren spricht eine deutliche Sprache. Der durchschnittliche monatliche Bruttolohn stieg von 4.317 € im Jahr 2019 auf 4.806 € im Jahr 2022 und dann auf 5.072 € im Jahr 2023. Das entspricht einem Anstieg von 5,5 % innerhalb eines einzigen Jahres.

Der Inflationsanstieg auf 6,9 % im Jahr 2022 führte zwar vorübergehend zu einem Rückgang der Reallöhne. Ab 2024 überstiegen die ausgehandelten Lohnerhöhungen jedoch wieder die Inflationsrate. In einigen Branchen wurden durch Tarifverträge Rekordsteigerungen von rund 6 % erzielt – eine direkte Reaktion auf den anhaltenden Arbeitskräftemangel.

Daten zur Lohninflation nach Branchen

In den Branchen mit dem größten Arbeitskräftemangel war das Lohnwachstum am stärksten. Die Bereiche IT und Telekommunikation, Gesundheitswesen, Ingenieurwesen und Handwerk verzeichneten bis Ende 2024 allesamt überdurchschnittliche Lohnsteigerungen.

Branche

Signal für eine Lohnerhöhung

Metallindustrie

Über 6 %

Gesundheit und Altenpflege

~5.5%

IT und Telekommunikation

Über dem Branchendurchschnitt

Öffentlicher Sektor

Erhöhte Setzung

Quellen: Destatis, Eures

Daten zur demografischen Entwicklung und zur Alterung der Erwerbsbevölkerung

Daten zur demografischen Entwicklung und zur Alterung der Erwerbsbevölkerung

Der Arbeitskräftemangel in Deutschland ist nicht nur ein Personalsuche . Es handelt sich um ein demografisches Problem, und demografische Entwicklungen vollziehen sich langsam und lassen sich nicht ohne Weiteres umkehren.

Statistiken zur alternden Erwerbsbevölkerung in Deutschland

Die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung im Jahr 2024 macht diese Herausforderung deutlich. Nur 18,8 % der Bevölkerung waren unter 20 Jahre alt. Dagegen waren 22,6 % zwischen 60 und 79 Jahre alt, und weitere 7,2 % waren 80 Jahre und älter.

Eurostat schätzt die Altenquotient in Deutschland bis Ende 2025 auf rund 35,9 % – ein Rekordhoch. Das bedeutet, dass auf 100 Erwachsene im erwerbsfähigen Alter etwa 36 ältere Menschen kommen. Im Jahr 2012 lag dieser Quotient noch bei 31,4 %.

Rentenquoten im Vergleich zum Zustrom neuer Arbeitskräfte

Die Bundesagentur für Arbeit schätzt, dass zwischen 2024 und 2028 rund 4,7 Millionen Deutsche aufgrund des Eintritts in den Ruhestand aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden. Eine andere Prognose geht davon aus, dass die Zahl der Ruheständler bis 2036 ohne Gegenmaßnahmen auf rund 7 Millionen ansteigen wird.

Der Zustrom neuer Arbeitskräfte hält nicht Schritt. Im Jahr 2024 kamen nur etwa 60.000 Ausländer nach Deutschland, um eine Berufsausbildung zu absolvieren. Die Geburtenrate in Deutschland liegt bei etwa 1,4 Kindern pro Frau und damit deutlich unter dem Reproduktionsniveau.

Die Zahl der Pensionierungen übersteigt die Zahl der Neueintritte bei weitem. Diese Lücke ist der Hauptgrund für den anhaltenden Fachkräftemangel.

Entwicklung der Abhängigkeitsquote in Deutschland

Die Altenquotient in Deutschland wird weiter steigen. Der Wert von rund 36 % im Jahr 2025 gehört bereits zu den höchsten in Europa. Der EU-Durchschnitt lag 2024 bei etwa 34 %. Bis 2035 könnte die Quote in Deutschland 42 % erreichen.

In ländlichen und östlichen Regionen ist dies stärker zu spüren als in städtischen Zentren. Die hohen Abhängigkeitsquoten in diesen Gebieten verschärfen das lokale Personalmangelproblem zusätzlich, da weniger Einwohner im erwerbsfähigen Alter zur Verfügung stehen, um offene Stellen zu besetzen.

Erwerbsquote nach Altersgruppen

Deutschland hat es tatsächlich gut geschafft, ältere Arbeitnehmer im Erwerbsleben zu halten. Im Jahr 2023 waren rund 74 % der Deutschen im Alter von 55 bis 64 Jahren erwerbstätig, was über dem OECD-Durchschnitt von 68 % liegt. Die Erwerbsquote der 60- bis 64-Jährigen stieg von etwa 50 % im Jahr 2010 auf 63 % im Jahr 2023.

Die Beschäftigungsquote der Arbeitnehmer im besten Erwerbsalter zwischen 25 und 54 Jahren lag bei etwa 86 %. Bei den jüngeren Arbeitnehmern im Alter von 15 bis 24 Jahren lag sie mit rund 60 % niedriger.

Die älteren Jahrgänge tragen eine größere Last als zuvor. Doch wenn sie irgendwann in den Ruhestand gehen, wird dieser Beitrag wegfallen.

Geschlechtsspezifische Beteiligungsunterschiede bei Fachkräften

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Deutschland ist hoch, liegt aber immer noch hinter der der Männer zurück. Im Jahr 2023 waren rund 75,2 % der Frauen ab 15 Jahren erwerbstätig, gegenüber 83 % bis 85 % bei den Männern.

Das größere Problem sind die geleisteten Arbeitsstunden. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, oft aufgrund von Verpflichtungen in der Kinder- oder Altenbetreuung. Dies verringert das effektive Arbeitskräfteangebot in einem großen Teil der Erwerbsbevölkerung.

Quellen: Destatis, Tradingeconomics, OECD, Eures

Schlussfolgerung

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist tiefgreifender, als er durch Einstellungszyklen behoben werden kann. Demografische Entwicklungen, Qualifikationsungleichgewichte und die Welle der Verrentungen machen dies zu einer langfristigen strukturellen Herausforderung, die den wirtschaftlichen Kurs des Landes für die kommenden Jahrzehnte bestimmen wird.

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